Sonja Duó-Meyer // KeramikSonja Duó-Meyer // Keramik

Einladung zur Vernissage am 30. Januar 2020 von 18 – 21 Uhr

Die Keramikkünstlerin Sonja Duò-Meyer aus Wetzikon, Zürich, arbeitet seit über 40 Jahren mit Ton. Porzellan ist ihr Material. Aus ihm schafft sie monumentale Gefässobjekte ebenso wie Teeschalen oder Schmuckstücke. In ihrem Ausdruck aufs Wesentliche reduziert, spre- chen ihre Arbeiten eine subtil sinnliche Sprache. Die bewusst unebenen Oberflächen lassen das rohe weisse Porzellan im Licht vibrieren, die schlicht schwarz engobierten Volumen sanft glänzen. Sonja Duò-Meyers Gefässe sind mehr als Objekte – sie haben die Resonanz eines Körpers, der vom Atem bewegt wird. Dabei geht es ebenso um den Raum, der umfasst wird, wie um das Gefäss selbst.

Auch Wandobjekte gehören zu diesem äusserst fokussierten Werk, das die Möglichkeiten seines Materials auslotet. Knäuel aus Tonwülsten, Sprechblasen und Inseln – humorvolle Reflexionen über das Leben und mitunter auch eine Reflexion über das Arbeitsmaterial Ton. (Text: Judith Annaheim)

Die Ausstellung, kuratiert von Sali Ölhafen, kann bis Dezember 2020 nach Anmeldung unter +41 44 311 44 77 besichtigt werden.

foryouandyourcustomers
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Vernissage Sonja Duò-Meyer

30.01.2020, foryouandyourcustomers, Zürich

Guido Baumgartner

 

Es freut mich sehr, erstmals hier bei foryouandyourcustomers eine Einführung zu einem künstlerischen Werk halten zu dürfen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich gleich doppelt bedanken: 1. Bei Sali und Josef für ihr Vertrauen in uns – Judith Annaheim und mich – da wir die kommenden Ausstellungen hier in Zürich, aber auch in Uster und Baar kuratieren dürfen. 2. bedanken wir uns bei Sonja Duò-Meyer, weil sie an uns gedacht und die Verbindung zu foryouandyourcustomers hergestellt hat.

Diese Ausstellung hier ist allerdings noch von Sali sehr schön kuratiert worden, und ich darf nun einige Worte dazu sagen. Sonja Duò-Meyers Schaffen, um das es heute geht, verfolge ich schon sehr lange.

2008 hatten wir in der IG Halle, Rapperswil, das erste Mal das Vergnügen, mit Sonja eine Einzelausstellung zu machen. Kurz zur Information: die IG Halle ist ein Kunstinstitution, die in Rapperswil seit 28 Jahren Ausstellungen macht. Die damalige Ausstellung hatte den klingenden Namen Nishikigoi. Es war die Zeit, als Sonja gerade von ihrem Artist-in-Residence Aufenthalt in Japan zurückkam und viele davon inspirierte Objekte zeigte. Für eine Keramikkünstlerin ist Japan natürlich sehr interessant, denn in Japan wird Keramik als besonders grosse Kunst eingeschätzt. Ebenso im angelsächsischen Raum: In England und Amerika gilt Keramik grundsätzlich als Kunst – im Gegensatz zur mitteleuropäischen Sichtweise, die zwischen angewandter Kunst und «hoher» Kunst unterscheidet.

Hier sei noch angefügt, das Sonja schon sehr bald wieder in den Fernen Osten reisen wird, diesmal nach Südkorea. Für einen 10- tägigen internationalen Workshop wurden zwei Künstler aus der Schweiz eingeladen, und Sonja ist eine von ihnen.

Also, nochmal zurück zum Thema von Gebrauch und Kunst: Sonja Duò-Meyer bewegt sich auf selbstverständliche Art in beiden Gebieten. Wer also gerne besondere Teeschalen hat, von denen jede ein Unikat ist, kann bei ihr Gebrauchskeramik finden, die den Alltag ein bisschen weniger alltäglich macht.

Wer hingegen einen Raum mit einem Objekt bereichern möchte, das transformative und assoziative Kraft in sich konzentriert, ist ebenfalls genau richtig bei Sonja – und heute hier bei foryouandyourcustomers.

Dieses Spannungsfeld zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunstobjekt finden wir besonders verkörpert im Gefäss. Wobei Sonja auch bewusst damit spielt:

Gleich da hinten um die Ecke sehen Sie auf dem Tablar einige Gefässe. Im ersten Moment empfinden Sie diese vielleicht einfach als ganz normale Gefässe. Wenn Sie genauer hinschauen, werden Sie jedoch entdecken, dass sich der Henkel nicht wirklich eignet, um das Gefäss zu tragen. Oder dass die Ösen für allfällige Schnüre an ungewohnten Orten sind. Sonja spielt mit diesen Elementen, die an Gebrauchsgegenstände erinnern, setzt sie aber nicht für den Gebrauch, sondern vielmehr ästhetisch ein. Denn das Gefäss hat für die Menschen eine so lange Geschichte und eine so grosse Bedeutung, dass sich beim Anblick von Gefässen unglaublich viele Assoziationen ergeben.

Zur assoziativen Kraft von Kunstwerken möchte ich Ihnen folgendes erzählen: Der Medienphilosoph Vilém Flusser hat einmal geschrieben, dass jedem Alltagsgegenstand ein Imperativ innewohne. Das heisst, wenn Sie ein Objekt wie einen Stuhl vor sich haben, dann heisst der Imperativ des Stuhls: Setz dich auf mich! Wenn Sie einen Fernseher vor sich haben, werden Sie damit höchstwahrscheinlich Filme schauen. Die meisten Menschen halten sich mehr oder weniger an diese Imperative. Es gibt allerdings eine Berufsgruppe, die sich sehr oft nicht daranhält, und das sind die Kunstschaffenden. Sie setzen Objekte in einen neuen Kontext und ermöglichen damit Menschen, die vielleicht weniger transformativ und mehr konzeptuell funktionieren – oder funktionieren müssen – eine andere Sicht auf die Welt. Oder anders gesagt: Kunstschaffende eröffnen Optionen, und gerade deshalb finde ich dieses Konzept von foryouandyourcustomers so toll, denn diese Optionen, diese transformative Sicht auf die Dinge kann sich auch auf andere Bereiche und Tätigkeiten übertragen, in diesem Fall auf die geschäftlichen Aufgaben, auf Kundenbeziehungen oder Mitarbeiterbeziehungen und die kreativen Möglichkeiten des Individuums. Denn Kreativität ist ja nicht ein Monopol der Kunstschaffenden. Jeder Mensch und jede Situation haben auch ein kreatives Potenzial. In diesem Sinne ist Kunst immer eine gute Investition.

Bestimmt haben Sie sich inzwischen schon umgeschaut und überall die Arbeiten von Sonja entdeckt. Es gibt mehrere Werke, die ganz neu sind: Z.B. die beiden Schlaufen dort an der Wand mit dem Namen «Mäander». Diese haben eine spezielle Oberflächenzeichnung, da hat Sonja die dunkle Engobe aufgetragen und später wieder abgewaschen, sodass nun Spuren davon geblieben sind. Sonja arbeitet seit über 40 Jahren mit Ton, aber es wird ihr nicht langweilig – immer wieder entdeckt sie neue Möglichkeiten des Materials. Im Raum hier gegenüber gibt es zwei Arbeiten mit dem Titel «Isola». Darin verbindet sie zwei Materialien mit verschiedenen Brennpunkten. Porzellan und Manganton. Der dunkle Manganton bläht sich auf, verändert sein Volumen, weil er fast flüssig wird. Das geht an die Grenzen des Materials.

Fast alle Objekte in dieser Ausstellung sind aus Porzellan. Wenn Sie Porzellan hören, sehen Sie vielleicht hauchdünne Vasen mit zarten Bemalungen vor sich oder festliches Geschirr. Oder je nachdem auch WC-Schüsseln oder Industriekeramik. Denn Porzellan ist extrem hart. Porzellan ist Sonja Duò-Meyers wichtigstes Medium. Und ganz im Gegensatz zu seiner Härte wirken die Oberflächen weich, sinnlich, geschmeidig, wie wenn die Künstlerin gerade die letzten Bewegungen mit ihren Händen daran gemacht hätte.

Denn die Gefässe sind im klassischen Handaufbau gefertigt. D.h. aus Tonwülsten Schicht um Schicht aufgebaut. Wir sehen viele Anspielungen auf diesen Entstehungsprozess: Mehrere Objekte zeigen genau diese Tonwülste, als verwickelte Schnüre, Knoten oder Stäbe, die in den Raum hinausragen. Es sind Experimente und Reflexionen über das Material – und gleichzeitig humorvolle Reflexionen über das Leben.

Ein künstlerisches Werk also, das durch und durch manuell ist. Hier im Spannungsfeld mit einer Firma, deren Kompetenz im digitalen Wandel liegt. Die Werke werden bis Dezember 2020 hier in diesen Räumen bleiben. Ich bin gespannt darauf, was sie auslösen und wie sie erlebt werden.

Nun möchte ich noch kurz auf die Publikation hinweisen. Dieses Buch ist die erste umfassende Monografie über Sonja Duò-Meyers Werk, erschienen 2017. Der Verlag, Arnoldsche Art Publishers in Stuttgart ist wohl weltweit der beste Verlag für Keramik.

New York
Arnoldsche hat einen weltweiten Vertrieb, vor allem auch in England und den USA. Was besonders toll ist, da Sonja nämlich um 2013 mit ihren Arbeiten den Sprung nach Amerika geschafft hat. Kurz nachdem die Idee einer Publikation im Raum war, ist die Verbindung nach New York entstanden. Wie das passiert ist, können Sie im Buch nachlesen im Text von Larry Weinberg. Kurzgefasst: Larry hat Gefässe von Sonja erworben und auf seiner Webseite präsentiert. Larry Weinberg war von ihrer Arbeit so überzeugt, dass er sie an die renommierte New Yorker Galerie Hostler Burrows vermittelte. Diese zeigte Arbeiten von Sonja in einer Gruppenausstellung und dann auch bei Design Miami Basel 2014 und FOG Art and Design Show in San Francisco im 2015.

Schauen Sie rein, die Publikation ist sehr schön gestaltet von Orlando Duò. Mit drei Beiträgen von namhaften Fachleuten im Keramikbereich. Sie können die Publikation hier erwerben und Sonja wird diese auf Wunsch sicher auch signieren.

Nun wünsche ich Ihnen Kunstgenuss und einen schönen Abend.