Konstellationen
Konstellationen 9.4. bis 21.5.2011
Sonja Duò-Meyer Neue Objekte
Vernissage: Samstag, 9.4.2011, 17.00 – 20.00 Uhr
Einführung Dr. Dominique von Burg, 18.00 Uhr
Finissage: Samstag, 21.5.2011, 17.00 – 20.00 Uhr
Apéro: Samstag, 30.4.2011, 11.00 – 13.00 Uhr
Die Künstlerin ist jeweils anwesend.
Über Ostern bleibt die Galerie geschlossen.
Sonja Duò-Meyer (1953), in Basel und Zürich aufgewachsen, lebt und arbeitet seit 1978 in
Wetzikon.
Seit den frühen Siebzigerjahren entwickelt Sonja Duò-Meyer mit grosser Konsequenz
ein äusserst eigenständiges Werk aus Porzellan. Aus der Bandbreite der Tonerden
konzentriert sie sich auf die helle, eher weiche Variante, welche aus einem bestimmtem
Mischungsverhältnis aus Kaolin (Porzellanerde), Feldspat und Quarz besteht. Die Künstlerin
verwendet das Porzellan skulptural und malerisch und setzt den expressiven Reichtum des
keramischen Materials, seine Fähigkeit, die Spuren der formgebenden Finger aufzunehmen,
bewusst ein. Zuweilen sucht sie auch, an die Grenzen des Materials zu gehen. Aus
dünneren und dickeren Tonwülsten formt sie bald weisse, matte, naturbelassene, bald
schwarz engobierte Gefässe und Objekte in einer reduzierten Formsprache, welche
vielfach zu abstrakten Konfigurationen tendieren. Die linearen, schlaufenförmigen und
floralen Wandreliefs und kringelartigen Wandobjekte, die zu Gruppen arrangiert sind,
korrespondieren mit den vom Boden aufstrebenden, grossen Gefässplastiken. Sie sind ein-
bis zweiteilig und ihr Geheimnis liegt in den sanften Schwüngen der Silhouette, der leichten
Verschiebung der Körpersymmetrie sowie der subtilen, bewegten Gestaltung der Grate und
Mündungen. Diese bewirken, dass die an sich ruhenden Formen eine atmende Dynamik
erhalten.
Von einer bestechenden Schönheit sind die weissen, einfachen Gefässe mit leuchtend
roten und schwarzen Ornamenten. Dieses leuchtende Rot, das Sonja Duò-Meyer
ohne Glasur direkt auf das Porzellan aufträgt, kommt in traditionellen japanischen
Keramikgegenständen vor. Die Künstlerin verwendet es seit ihrem zweimonatigen Aufenthalt
im japanischen Tajimi anfangs 2008. Da weilte sie als «Artist in Residence» aufgrund
des 7. Internationalen Keramikwettbewerbs 2005 in der japanischen Stadt Mino, wo
sie für ihre Wandinstallation «25 gordische Knoten» prämiert wurde. Die «Ballerinas»,
Tischchen ähnliche Objekte mit vier schwarzen, gedrechselten Beinchen, sind vom Oribe-
Stil inspiriert. Während das Motiv der Beinchen aus dem älteren Werk stammt, ist das formal
verzogene, flache Gefäss dem Oribe-Stil verpflichtet. Benannt ist er nach dem Samurai
und Teemeister Furuta Oribe, dem Gründer der Oribe-Schule, der von 1544 bis 1615 lebte
und die Keramikkunst erneuerte. Die Oribe-Keramik ist im Gegensatz zur archaischen
japanischen Ausrichtung wesentlich mehr von der Glasur und vom Dekor bestimmt. Das
Motiv der flachen, verzogenen Gefässe findet sich immer wieder im Werk von Sonja Duò-
Meyer; so in den neuen Gefässen mit gewellten Innenböden, die Landschaften und / oder
Frauenkörper suggerieren. Je nach Lichtquelle werden Schatten erzeugt und sprechen von
einem bewegten Innenleben.
Was das Werk von Sonja Duò-Meyer auszeichnet, ist ihre meditative Arbeitsweise, welche
sich in einer kontinuierlichen Entwicklung manifestiert. Sie zeitigt klare, elementare Formen
und ihre subtilen Variationen. In ihrer farblichen und formalen Reduktion gewinnen sie jene
Kraft, die dem Archaischen innewohnt.
