Laudatio – Chapeau Wetzikon

Sonja Duò-Meyer (* 1953, lebt und arbeitet in Wetzikon, Zürcher Oberland)
hat sich 1971 als Autodidaktin für die freie Arbeit als Künstlerin und das Material Keramik
entschieden. Seither hat sie mit grosser Konsequenz ihr eigenes Werk entwickelt. 2003 erhielt
sie den erstmals vergebenen Kulturpreis „Chapeau! Wetzikon“. Der folgende Beitrag folgt
dem Text der Laudatio.

Erden, Tone – das evoziert sogleich Ursprüngliches. Und selbst wenn sich Sonja Duò-
Meyer aus der Bandbreite der Tonerden schon längst auf das helle, edlere, beim Verarbeiten
eher weiche und nach dem Brand sehr harte Porzellan konzentriert hat, bleibt auch diesem
Material sein erdgebundener Ursprung eigen: Es ruht zuvor im Grund, ist Teil des Körpers
(Himmelskörpers), auf dem wir stehen, ein Produkt sehr langer Bildungsprozesse. Im Boden
binden und führen die Tone Wasser, herausgeholt, kann man sie kneten, formen, aufbauen,
durchaus der Schwerkraft trotzend. Getrocknet, ist das Material zerbrechlich und doch fest.
Gebrannt, wird es widerständiger und erhält die Fähigkeit zu schwingen und zu tönen. Ein
reiches Material also, selbst wenn es ganz ohne Glasur in seiner reinen Naturfarbe, zum
Beispiel einfach porzellanweiss, vor uns steht.

So ursprünglich und reich das Material, so vielfältig sein Gebrauch: Geformt zum Gefäss,
diente der Ton nahezu allen frühen Kulturen als Handhabung für Säkulares und Sakrales.
So war das Gefäss im Gebrauch als Behälter für flüssige und feste Nahrung, es diente aber
auch als konkreter und symbolischer Sammelort für Kultisches: in ihm ruhten Opfergaben
(sozusagen auf die Götter „umgemünzte“ Nahrung) sowie heilende oder mythische
Bedeutung tragende Substanzen… Schätze wurden in Gefässen gehortet, und im berühmten
Brunnen Gian Lorenzo Berninis an der Piazza Navona in Rom verbildlichen die Gefässe
als Attribut der Flussgötter die Ursprünge der grossen Ströme und mit diesen gar die
Weltgegenden… Zwischen Leben spendendem Quell und Schrecken verheissender Büchse
der Pandora spannen sich Gebrauch und Bedeutung des Gefässes. Die Assoziationen weiten
sich vom Trinkbecher bis zur bergenden Höhle, ja bis zum Leib als Hort der Seele. Im Gefäss
wird – so verrät die Sprache – etwas gefasst, also tatsächlich greifbar gemacht. In ihm wird
gesammelt, geborgen, und im weiteren Sinn gar eingerahmt und (dekorativ) überhöht wie
beim Juwel, der erst in seiner Fassung zur vollen Schönheit gelangt. Somit gehört die ganze
Entwicklungsgeschichte einfach funktionaler und auch schön geschmückter Gefässe so eng
zur kulturellen Entwicklung des Menschen wie die Architektur – auch sie ist im Prinzip
immer wieder ein „Gefäss“. Und im Rahmen der Architektur kam dem Gefäss als Ornament
und Symbol in Form von Vasen und Schalen über Jahrhunderte höchste Aufmerksamkeit zu.

Man muss sich also entscheiden, will man als Gestalter dem „Gefäss“ schöpferisch auf den
Grund gehen. Interessiert die gespannte Oberfläche, die sich dem schmückenden Sinn zur
Ausgestaltung anbietet wie ein Gartenbeet dem Gärtner? Interessieren also die dekorativen
Möglichkeiten? – Interessiert eine gewünschte Funktion und deren Ausprägung auf Form
und Material? Das ist der Aspekt, dem das (Industrie)design Aufmerksamkeit widmet. –
Interessieren die Beziehungen und Spannungen die sich zwischen dem Gefässkörper, dessen
Innenraum und dem umgebenden Aussenraum aufbauen? Das wäre ein architektonisches
Moment. – Oder

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